Samstag, 28. März 2015

#19

Mit einem Schwung reiße ich die Tür auf und rufe laut: "Ich habe Alkohol getrunken. Viel zu viel Alkohol!"
Zugegeben, es war nicht die elegante Art, jemanden zu begrüßen. Ebenso war es - angesichts dieser Tatsache - nicht verwunderlich, dass mich das kleine Mädchen, das zu dem Zeitpunkt in dem Raum saß, ansah, als wäre ich eine Gestörte.
Mein Unterbewusstsein hatte mich bereits mehrere Male darauf hingewiesen, dass das, was ich tun wollte, komplett irre und verboten war.
Du wirst das Gebäude sofort verlassen.
So etwa.
Keine Chance.
Geh da raus. Ich gebe dir keine zweite Chance mehr. Du wirst dich bis auf die Knochen blamieren, also tu mir den Gefallen und verschwinde bevor es zu spät ist.
Liebes Unterbewusstsein, ich danke dir für deine ganzen Tipps und Mühen, mich in die richtige Richtung zu lenken.
Aber nicht alles, was ich mache, ist falsch.
Nicht alles, was mein Herz mir befiehlt, ist falsch.
Nicht alles, was ich mir sehnlichst wünsche, ist falsch.
Also halte DU dich hier verdammt nochmal raus!
Und dank meinem genialen Einfall, die vielen Stimmchen in meinem Kopf einfach zu ignorieren, hatte ich einen der besten Tage meines Lebens.
Denn manchmal muss man eben nicht das tun, was richtig ist.
Sondern den Weg gehen, den einem das Herz zeigt.

Donnerstag, 5. März 2015

#18

Kann es tatsächlich sein, dass es schon 7 Monate her ist? Demnächst ein ganzes Jahr? Was vergeht die Zeit doch schnell...
Trotzdem bleiben die Rückblicke. Ich könnte mir jede einzelne Farbe, jedes Merkmal, jedes Kleidungsstück, jedes auch noch so unnötigste Detail ist mir im Kopf festgesteckt geblieben.
Ich würde alles dafür tun, um diesen Moment noch einmal zu erleben.

Seit Tagen - nein, seit Wochen, wenn nicht sogar seit Monaten fürchte ich mich vor diesem Moment. Spätestens heute werde ich es erfahren. Ob wir uns trennen müssen. Der Kloß sitzt mir verdammt schwer im Hals. Benimm dich normal.
"Und weißt du was Neues?"
Ob ich etwas Neues weiß? Ob sich etwas getan hat? Vermutlich nicht! Also gibt es noch Hoffnung? Ganz vorsichtig schüttele ich meinen Kopf.
"Aber ich hab Neuigkeiten." Neuer Anlauf, tief Luft holen. "Ich hab alles versucht, aber... es tut mir so Leid."
Achso. Moment. WAS? Nicht weinen! NICHT WEINEN!
Ich setze zu einem Satz an, meine Stimme kippt prompt. "Ich muss kurz raus", piepse ich kläglich, währenddessen kullern mir schon die ersten Tränen über das Gesicht. NICHT WEINEN!!
Meine Hand legt sich bereits auf die Türklinke und öffnet sie einen Spalt. Doch ich werde zurückgehalten. "Ich muss wirklich aufs Klo...", murmele ich weiter. "Bitte..."
"Nein."
Bitte, lass mich gehen. Ich will nicht, dass du mich so siehst...
Die Tür wird wieder zugemacht, ich in den Arm genommen, mein Kopf schützend von warmen Händen umschlossen. "Du darfst weinen."
Ich weiß doch, dass ich weinen darf. Ich will das nur nicht. Nicht jetzt. Nicht vor dir.
Pah, von wegen Kontrolle. Noch ehe die Wörter ausgesprochen sind, weine ich hemmungslos, halte mich dabei an diesem Körper fest, der meinen Schmerz versteht, mit mir teilt, mich nicht gehen lassen will.
Keine 30 Sekunden später spüre ich Tränen auf meiner Stirn. Tränen? Ja, natürlich weine ich. Aber das sind nicht meine Tränen...
Oh Gott. Nein. Du weinst wegen mir...
Benommen schaue ich hoch. Blaue Augen, geschwollen und nass. Ein immer wieder geflüstertes "Es tut mir so Leid...", während die Arme mich immer noch umschlungen halten und mir über den Rücken streichen.
Du kannst nichts dafür. Gar nichts. Du hast alles getan, was du konntest. Hör bitte auf zu weinen...
Nach etwa 5 Minuten löse ich mich. Ich kann nicht mehr. Mein Kopf ist leer, meine Augen sind leer, ich bin leer. Ich will nichts mehr fühlen, nichts mehr sehen, nichts mehr hören. Ich bin verloren.