Die
Sonne strahlt, es ist ein wunderschöner Tag, seit langem gab es
nicht mehr dieses herrliche Aprilwetter, nicht zu kalt und nicht zu warm.
Mit der Tasche um den Arm, in der die Notenbücher alle sicher
verstaut sind, und ihrem Handy in der Hand macht sie sich zielstrebig
auf den Weg zum Vorspiel. Ihre dunkelblonden Haare leuchten auffällig
im Sonnenschein, die blauen Augen strahlen und leise summt sie die
Melodie des Stückes, das sie schon seit Wochen für diesen Tag
vorbereitet. Als sie die Musikschule erblickt, verstummt sie und
betrachtet nervös das Gebäude. „Es wird sowieso nicht gut
laufen“, flüstert sie, atmet tief ein und fängt dennoch wieder an
zu summen. Ihre Schritte passen sich genau der Melodie an. Je
schneller sie wird, desto bedrohlicher schlingert auch ihr
Pferdeschwanz hin und her. Je näher sie der Musikschule kommt, desto schneller fängt ihr Herz an zu klopfen. "Es ist nur ein blödes Vorspiel", versucht sie sich zu beruhigen und fährt sich rasch durch die Haare. "Nach 10 Minuten ist es vorbei. Nur keine Panik." So in ihren Gedanken vertieft, bemerkt sie nicht, wie sich ihr jemand vom Eingang des Gebäudes aus nähert und ihr zuwinkt. Erst, als der Schatten der Person dicht vor ihr steht und die Sicht auf die Sonne versperrt, fällt ihr auf, dass vor ihr jemand steht. "Oh, hallo!", grüßt sie und wirft ihrer Lehrerin einen kurzen Wink zu. "Hey!" Das warme, gutmütige Lächeln, das sie seit 2 Jahren so gut kennt, strahlt ihr nun entgegen. "Bist du sehr nervös?" Sie zuckt mit den Schultern und schaut auf ihre Schuhe. "Naja, so schlimm kann es ja auch wieder nicht werden." "Hör auf, dir Sorgen zu machen. Es wird schon gut gehen. Komm mit, dann kannst du dich auch gleich einspielen... sind deine Eltern eigentlich nicht mitgekommen?" Das zerknirschte Gesicht kann sie sich trotz allem Ärger nicht verkneifen. "Nein", presst sie hervor, teils verletzt, teils erleichtert. Ihre Eltern machen sich nicht viel aus Musik. Aber das muss ihre Lehrerin ja nicht auch noch wissen. "Nein", wiederholt sie erneut. "Meine Schwester feiert heute ihren Geburtstag nach und sie ist noch zu jung um ohne Aufsicht zu feiern. Meine Eltern müssen sie noch auf Schritt und Tritt überwachen." Und die Lehrerin lächelt, lächelt schon wieder so herzlich, dass ihr das Herz aufzugehen scheint. "Mach dir nichts draus", meint sie und reicht ihr die Hand. "Aber komm jetzt bitte, du musst dich einspielen."
Sonntag, 11. Mai 2014
#12
"Schau mir in die Augen."
Kein einziges Wort fällt. Und da, es kommt erneut.
"Schau mir in die Augen."
"Nein."
"Schau mir in die Augen, bitte!"
"Nein!"
"Warum tust du es nicht?"
"Ich kann nicht..."
Warum kann ich nicht einfach loslassen? Man muss die Dinge aus beiden Perspektiven betrachten. Was, wenn man liebt, aber nicht geliebt wird? Man kann jemandem nicht ewig hinterherrennen. Irgendwann ist es aus, aus und vorbei. Man kann nicht an jemandem festhalten, der einen nicht will. Egal was ich mir wünsche, egal was ich mir erhoffe, es ist aus. Es gibt auch keine Zukunft. Es nimmt ein Ende.
"Warum nimmst du es nicht zur Kenntnis?"
"Weil ich nicht kann."
"Warum?"
"..."
"Ich gehe erst, wenn du es zur Kenntnis genommen hast!"
"Und wenn ich sage, dass ich nicht will?"
"Schade..."
"Gut, dann will ich nicht."
Wie viel Überwindung es kostet. Aber was spielt das jetzt noch für eine Rolle...
Kein einziges Wort fällt. Und da, es kommt erneut.
"Schau mir in die Augen."
"Nein."
"Schau mir in die Augen, bitte!"
"Nein!"
"Warum tust du es nicht?"
"Ich kann nicht..."
Warum kann ich nicht einfach loslassen? Man muss die Dinge aus beiden Perspektiven betrachten. Was, wenn man liebt, aber nicht geliebt wird? Man kann jemandem nicht ewig hinterherrennen. Irgendwann ist es aus, aus und vorbei. Man kann nicht an jemandem festhalten, der einen nicht will. Egal was ich mir wünsche, egal was ich mir erhoffe, es ist aus. Es gibt auch keine Zukunft. Es nimmt ein Ende.
"Warum nimmst du es nicht zur Kenntnis?"
"Weil ich nicht kann."
"Warum?"
"..."
"Ich gehe erst, wenn du es zur Kenntnis genommen hast!"
"Und wenn ich sage, dass ich nicht will?"
"Schade..."
"Gut, dann will ich nicht."
Wie viel Überwindung es kostet. Aber was spielt das jetzt noch für eine Rolle...
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